HNO-Praxis Dr. med. Alexander Thiele

Infekte

Vorsicht bei Nasenspray: Abhängigkeit droht

3 min
Großaufnahme einer Frau, die sich Nasenspray in die Nase sprüht
Adobe Stock / lev dolgachov

Ein kleiner Sprühstoß mit einem abschwellenden Nasenspray wirkt bei verstopfter Nase Wunder. Doch Vorsicht: Nasenspray kann süchtig machen und die Schleimhäute nachhaltig schädigen.

Abschwellende Nasensprays sind zwar apothekenpflichtig, jedoch frei verkäuflich. Bei Patientinnen und Patienten stehen sie hoch im Kurs, denn dank ihrer Hilfe kann man selbst bei starken Erkältungen innerhalb kürzester Zeit wieder frei durchatmen. Grund dafür sind sogenannte Sympathomimetika wie Xylometazolin und Oxymetazolin, die einen abschwellenden Effekt haben.

Abschwellende Sprays nur kurz und selten anwenden

Der Nachteil dieser Wirkstoffe: Sie können abhängig machen. HNO-Ärztinnen und -Ärzte raten deshalb dazu, abschwellende Nasensprays spätestens nach einer Woche wieder abzusetzen. Leider werden diese Warnungen oft nicht ernst genommen.

Als Dauermedikation führt der Gebrauch schnell zu einem Gewöhnungseffekt. Dabei verliert die Nase ihre Regulationsfähigkeit und schwillt nicht mehr von alleine ab. Betroffene sind dann permanent auf die Zufuhr von Nasenspray angewiesen, um Luft zu bekommen. Durch den sogenannten Rebound-Effekt lässt die Wirkung des Sprays auch immer schneller nach, d.h. die Nasenschleimhaut schwillt zwar ab, wird aber bald wieder dicker, sodass der erneute Griff zum Nasenspray notwendig wird.

Gravierende Schädigungen möglich

Welche weiteren Schäden können abschwellende Nasensprays bei fortwährender Anwendung eigentlich anrichten? Nasenspraysüchtige berichten, dass sie ohne das Medikament keine Luft mehr beim Sport bekommen oder nicht mehr einschlafen können. Zudem ist die Schleimhaut in der Nase durch die chemischen Inhaltsstoffe irgendwann so stark gereizt, dass sie extrem trocken wird und leicht blutet. Eine trockene Nasenschleimhaut kann mitunter gravierende Folgen haben, da die Abwehrfunktion der Nase nicht mehr gewährleistet ist. Eigentlich bilden die Härchen in der Nase und die Schleimhaut einen perfekten Schutzschild gegen Krankheitserreger. Ist dieser Mechanismus jedoch gestört, haben Viren und Bakterien ein leichtes Spiel und die Betroffenen werden immer anfälliger für Krankheiten. Außerdem entwickeln sie oft einen fließenden Schnupfen. Der eigentliche Nutzen des Nasensprays wird damit ad absurdum geführt. Manchmal kommt es auch zu heftigen psychischen Auswirkungen. So haben Nasensprayabhängige zuweilen das Gefühl, selbst an der frischen Luft nicht mehr frei atmen zu können oder sogar zu ersticken.

Der Weg aus der Abhängigkeit

Viele Betroffene suchen sich aus Scham keine Hilfe, um aus dem Teufelskreis herauszukommen. Doch HNO-Ärztinnen und -Ärzte kennen das Phänomen ganz genau und stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Die Art der Entwöhnung hängt davon ab, wie lange das Medikament bereits angewendet wurde und wie stark die Nasenschleimhaut geschädigt ist. Die Maßnahmen reichen vom „kalten Entzug“, über das langsame Ausschleichen bis hin zu einer Entwöhnung mit einem kortisonhaltigen Nasenspray, das nicht abhängig macht und die Schleimhaut wieder aufbaut. Unterstützende Maßnahmen, wie pflegende Salben mit Bepanthen und Inhalationen mit Meerwasser oder Kräutern, machen den Entzug auf jeden Fall leichter.