HNO-Praxis Dr. med. Alexander Thiele

Infekte

Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns therapierbar

6 min
Mann riecht an einer aufgeschnittenen Orange
Adobe Stock / Antonie Diaz

Störungen oder gar der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns gehören zu den bekanntesten Folgen einer Corona-Infektion. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen oft enorm. Doch es gibt auch andere Ursachen für derartige Störungen.

Geruch und Geschmack sind eng miteinander verwoben. Die Geschmacksknospen auf der Zunge erkennen Geschmacksrichtungen wie salzig, bitter, süß und sauer. Diese können ohne Hilfe des Geruchssinns identifiziert werden. Die Geruchsrezeptoren in der Nase unterscheiden Gerüche. Beide Sinneseindrücke werden an das Gehirn weitergeleitet, das die Informationen verknüpft, erkennt und einordnet. Bei komplexeren Aromen ist das Zusammenspiel beider Sinne erforderlich.

Die häufigste Geruchs- und Geschmacksstörung ist ein teilweiser (Hyposmie) oder vollständiger Verlust des Geruchssinns (Anosmie). Die Fähigkeit, Gerüche wahrzunehmen, kann beeinträchtigt werden durch Veränderungen

  • in der Nase,
  • in den Nerven, die von der Nase zum Gehirn führen oder
  • im Gehirn selbst.

Sind die Nasengänge aufgrund einer Erkältung verstopft, ist der Geruchssinn geschwächt, weil die Gerüche die Geruchsrezeptoren – spezielle Nervenzellen in der Nasenschleimhaut – nicht erreichen. Vielen Patienten schmeckt bei einer Erkältung das Essen also nicht, weil das Riechen und damit das Erkennen von Aromen nicht funktioniert.

Geruchssinn gezielt trainieren

Geruchsrezeptoren können zudem vorübergehend von Viren (z.B. Erkältungs- oder Grippeviren) beschädigt werden. Manche Patienten können für mehrere Tage oder sogar Wochen nicht riechen oder schmecken. In seltenen Fällen ist dieser Verlust von Dauer. Die gute Nachricht: Die Sinneszellen der Riechschleimhaut können in einigen Fällen erfolgreich trainiert werden. Betroffene sollten ihren HNO-Arzt oder ihre HNO-Ärztin unbedingt auf ein solches Training ansprechen.  

Weitere verwandte Störungen sind die Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen (Hyperosmie), die man u.a. von schwangeren Frauen kennt, sowie die Dysosmie, eine Verzerrung des Geruchssinns. Dabei werden harmlose Gerüche als unangenehm empfunden. Die Dysosmie beobachtet man bei Menschen, die beispielsweise an einer Infektion der Nasennebenhöhlen, einer Schädigung der Geruchsnerven oder an einer Mundinfektion leiden.

Wenn der Geschmackssinn schwindet

Von Covid-19-Erkrankten ist auch die Verringerung des Geschmackssinns (Hypogeusie) oder dessen vollständiger Verlust (Ageusie) bekannt. Auch andere Erkrankungen, die sich auf die Zunge auswirken und in der Regel einen trockenen Mund verursachen, können zum Ausfall oder zur Abschwächung des Geschmackssinns führen. Dazu gehören u.a. das Sjögren-Syndrom (eine Autoimmunkrankheit), starkes Rauchen, Strahlentherapie an Kopf und Hals, Dehydratation und die Einnahme bestimmter Arzneimittel.

Im mittleren Lebensalter beginnen Geruchs- und Geschmackssinn nachzulassen. Zum einen wird die Nasenschleimhaut dünner und trockener, zum anderen verlieren die zuständigen Nerven ihre Empfindlichkeit. Ältere Menschen können starke Gerüche problemlos erkennen, feine Gerüche jedoch nicht mehr so gut differenzieren. Mit zunehmendem Alter nimmt außerdem die Zahl der Geschmacksknospen und deren Sensibilität ab. Durch diese Veränderungen stumpft der Geschmackssinn für süß und salzig stärker ab als für sauer und bitter. Viele Nahrungsmittel beginnen so bitter zu schmecken.