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Hitzefalle Auto: Gefahr ernst nehmen

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Hund ist alleine im Auto und schaut durchs Seitenfenster
www.tanja-esser-auftragsatelier.de / Adobe Stock

Jedes Jahr passiert es wieder: Kinder und Tiere werden trotz Warnungen bei hochsommerlichem Wetter im parkenden Auto gelassen. Dabei kann ein PKW schon bei moderateren Temperaturen zum lebensbedrohlichen Backofen mutieren.

Es gibt zahlreiche Ausreden, warum Menschen ihre Kinder oder Haustiere im stehenden Auto zurücklassen, obwohl seit Jahren jeden Sommer davor gewarnt wird. Man wollte doch nur kurz in den Supermarkt gehen und das schlafende Kleinkind nicht wecken. Man habe doch die Fenster einen spaltbreit offen gelassen. Doch geöffnete Fenster haben kaum einen Effekt, wenn der Fahrtwind fehlt.

Rapider Temperaturanstieg

Steht ein Auto in der Sonne, steigt die Innentemperatur schnell auf 60 Grad Celsius und mehr an. Doch selbst bei deutlich geringeren Raumtemperaturen von rund 40 Grad wird es für Kinder kritisch. Als Faustregel gilt: Der Innenraum eines parkenden Autos erhitzt sich in den ersten fünf Minuten um vier Grad, innerhalb einer halben Stunde um 16 Grad und innerhalb einer Stunde um 26 Grad. In der Praxis kommt es natürlich darauf an, ob es beispielsweise leicht bewölkt ist oder der Wagen im Schatten steht. Allerdings kann eine unerwartet lange Schlange im Supermarkt definitiv gefährlich werden, insbesondere bei Sonne. Denn die Rechnung zeigt, dass sich ein Auto selbst bei 20 Grad Außentemperatur innerhalb von 30 Minuten auf über 35 Grad aufheizen kann. 

Darum heizen sich Autos so schnell auf

Parkende Autos heizen sich durch Sonneneinstrahlung extrem schnell auf, weil die Fensterflächen wie ein Brennglaswirken. Das Sonnenlicht gelangt ungehindert in den Innenraum, wo die Wärme absorbiert und von Sitzpolstern, Armaturen und Verkleidungen gespeichert wird. Da die Wärme nur sehr langsam wieder entweichen kann, steigt die Temperatur massiv an und es entsteht ein Hitzestau.

Die Luft im stehenden Fahrzeug wird durch die Hitzeentwicklung schnell stickig. Gleichzeitig verbrauchen Menschen und Tiere den vorhandenen Sauerstoff in dem kleinen Raum rasch, sodass die Sauerstoffkonzentration abnimmt. Dadurch können innerhalb weniger Minuten gefährliche Bedingungen entstehen – selbst bei moderaten Außentemperaturen.

Kleine Kinder und Hunde besonders gefährdet

Je jünger ein Kind ist, desto schneller gerät es bei Hitze im Auto in Lebensgefahr. Normalerweise schwitzen Babys und Kleinkinder viel weniger als Erwachsene. Ihre Körper haben also deutlich weniger Möglichkeiten, die Körpertemperatur durch Verdunstung des Wassers auf der Haut zu regulieren. Überdies haben sie eine geringere Körperoberfläche, auf der sie Hitze ausgleichen könnten. Dadurch steigt die Körpertemperatur rasant an und es kommt zum Hitzschlag.

Auch Hunde sind enorm gefährdet, da sie ihre Körpertemperatur kaum über Schwitzen regulieren können. Die Pfotenballen und die Nase sind die einzigen Körperstellen mit Schweißdrüsen. Ihre Fähigkeit, sich durch Hecheln abzukühlen, ist schon ab einer Umgebungstemperatur von 28 Grad Celsius beeinträchtigt. 

Was tun im Notfall?

Wer ein Kind oder ein Tier bei großer Hitze in einem verschlossenen Auto bemerkt, sollte sofort handeln:

  • Kontakt aufnehmen: Reagiert das Kind oder Tier auf Klopfen an die Autoscheibe?
  • Auto überprüfen: Lässt sich das Fahrzeug öffnen?
  • Verantwortliche Person suchen: Sind Eltern, Halter oder Aufsichtspersonen zu finden, etwa über Ausrufe im Supermarkt? 
  • Notruf wählen: Bei akuter Gefahr sollte unverzüglich der Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 gerufen werden.
  • Zustand beobachten: Reagiert das Kind oder Tier nicht mehr, wirkt es apathisch oder lebensbedrohlich überhitzt, besteht akute Lebensgefahr.
  • Selbst eingreifen: Um Leben zu retten, darf man die Autoscheibe einschlagen. Dazu sollte man unbedingt die Scheibe mit dem größten Abstand zur eingeschlossenen Person auswählen und gezielt in eine Ecke der Scheibe schlagen, da sie dort am leichtesten nachgibt. Die Tür sollte anschließend vorsichtig geöffnet werden, um Verletzungen durch Glassplitter zu vermeiden. Für diese Nothilfe sollte man sich vorsichtshalber Zeugen suchen und die Situation mit Foto- oder Videoaufnahmen dokumentieren, um spätere juristische Auseinandersetzungen zu vermeiden.
  • Erste Hilfe leisten: Sowohl Kinder als auch Tiere sollten an einen möglichst kühlen, schattigen Ort gebracht werden. Es empfiehlt sich, den Körper mit feuchten Tüchern zu kühlen. So kann er langsam abkühlen. Auch schluckweises Trinken von Wasser ist hilfreich. Bei Kindern sollte beengende oder zu warme Kleidung entfernt werden.
  • Wichtig: Auch wenn man selbst eingreift, sollte der Notruf verständigt werden. Die Leitstelle kann die Helfer telefonisch unterstützen und Anweisungen geben, falls bis zum Eintreffen der Rettungskräfte Erste-Hilfe-Maßnahmen erforderlich sind.

Gefahr durch explosive Gegenstände

Übrigens: Auch bestimmte Gegenstände können im überhitzten Auto zur Gefahr werden. Dazu gehören leicht entflammbare Flüssigkeiten oder Gase (beispielsweise Deo-Sprays), die ab 50 Grad explodieren können. Auch Behälter mit Desinfektionsmittel, Frostschutzmittel oder kohlensäurehaltigen Getränken können bei steigendem Druck platzen und zum Geschoss werden – egal ob es sich um Plastikflaschen, Dosen oder Glasflaschen handelt. Das Gleiche gilt für elektronische Geräte wie Akkus, Handys, Powerbanks oder E-Book-Reader. Auch sie können bei direkter Sonneneinstrahlung im Auto explodieren.